E5 Challenge

Im Distanzunterricht echte Distanzen zurücklegen: Am Phorms Campus München gab es in den letzten Wochen viele Frischluft-Wanderungen, denn die Zehntklässler Felix, Georg, Giorgio und Wladimir haben gemeinsam mit ihrer Lehrerin Dr Samantha Manning-Benson an einer ganz besonderen Aktion teilgenommen.

Mit der so genannten E5 Challenge haben sie Mitschüler*innen, Lehrkräfte und Eltern motiviert, gemeinsam mit ihnen die virtuelle Strecke von München zum Phorms Campus Berlin Mitte zu laufen. Was es mit diesem Lauf auf sich hat und warum sie damit gleichzeitig Gutes für benachteiligte Kinder tun, lesen Sie in unserem Interview.


Wie kam es zur Idee eines virtuellen Laufs vom Phorms Campus München zum Phorms Campus Berlin Mitte?

Georg: Wir hatten wegen der Corona-Situation Probleme, unsere sozialen Aktivitäten innerhalb des „Duke of Edinburgh’s International Award“*-Programms abzudecken. Mit der tatkräftigen Unterstützung unserer Lehrerin Dr Manning-Benson hatten wir im Februar bereits den ersten virtuellen Lauf ins Leben gerufen, der innerhalb unserer Schul-Community großen Zuspruch erhielt. Zudem fiel aufgrund von der Pandemie in diesem Jahr leider auch unser jährlicher traditioneller Benefizlauf aus. Daher haben wir gemeinsam beschlossen, die Idee des Benefizlaufs aufzugreifen und mit unserer E5 Challenge zu verknüpfen. Da der Phorms Campus München beim Benefizlauf  immer Spenden für die Kinderhilfsorganisation „Lichtblick Hasenbergl“ sammelt, haben wir für beide Läufe eine Online-Sammelaktion für diese Initiative organisiert. Die 568 Kilometer lange Strecke nach Berlin hat sich für den zweiten Lauf ganz gut angeboten und dann war es für uns ganz klar, dass unser virtuelles Ziel der Phorms Campus Berlin Mitte werden sollte.

Wladimir: Unsere erste Benefiz-Challenge im Februar war wahnsinnig erfolgreich. Wir haben Spendengelder in Höhe von fast 1.000 € sammeln können. Und auch bei unserem aktuellen Lauf haben wir unser Ziel von 1.000 € fast erreicht.


Wie läuft die Challenge konkret ab?

Wladimir: Alle Kilometer, die draußen von den Teilnehmenden erlaufen wurden, wurden mit einer speziellen App erfasst. Unser IT-Lehrer hat uns ein Programm gebastelt, mit dem wir die gesammelten Kilometer direkt von der App in eine Excel-Tabelle übertragen und addieren können. Wir erstellen daraus dann für jeden Tag eine Übersicht aller gelaufenen Kilometer pro Gruppe und posten die Werte regelmäßig auf unserer Instagram Seite. Während Giorgio und Felix sich mit den Zahlen der Excel-Tabellen auseinandersetzen, kümmern Georg und ich uns um Instagram. Wir stehen alle im ständigen Austausch miteinander.

 

Wie groß sind die Teams und wie viele Teilnehmer*innen machen insgesamt mit?

Wladimir: Bei der aktuellen E5 Challenge machen 13 Teams und ungefähr 60 Eltern, Schüler*innen und Lehrkräfte mit. Jede Gruppe besteht aus vier oder fünf Personen.

 

Wie habt ihr auf euren virtuellen Lauf aufmerksam gemacht und Mitstreiter*innen gefunden?

Dr Manning-Benson: Die erste E5 Challenge im Februar hat etwas losgetreten und bewegt. Die Eltern waren begeistert davon, dass ihre Kinder jeden Tag freiwillig rausgehen und ihre Läufe absolvieren. Manche unserer Schüler*innen standen bereits morgens um 6 Uhr auf, um vor dem Schulbeginn noch ihre 10 Kilometer zu laufen. Eltern haben mir E-Mails geschrieben und sich dafür bedankt, dass wir die Kinder mit dieser Challenge von den Computerbildschirmen weglocken konnten. Einige Eltern haben sich nach dem ersten virtuellen Lauf an unser Leadership Team gewandt und gefragt, ob wir diese Aktion nicht weiterführen können. All die Sport-Clubs waren seit Wochen wegen Corona geschlossen und es war sehr schwierig, die Kids zu Spaziergängen oder Läufen zu motivieren. Die Februar-Challenge jedoch hat es geschafft, alle teilnehmenden Schüler*innen zu begeistern. Sie haben ihre Lauf-Gruppen eigenständig zusammengestellt und sich gegenseitig per Whatsapp motiviert. Es gab einen großen Team-Zusammenhalt innerhalb der Gruppen, aber eben auch eine echte Form der Challenge mit den anderen Teams. Auch Lehrer*innen und Eltern haben sich in Gruppen zusammengetan und laufen ebenfalls bei unserer aktuellen Challenge mit. Es ist einfach eine großartige Atmosphäre und ein toller Zusammenhalt durch diese virtuellen Läufe entstanden.


Wie motiviert ihr euch und die anderen Teilnehmenden jeden Tag eine gewisse Strecke zu Fuß zurückzulegen? 

Georg (hat zum Zeitpunkt des Interviews mit seiner Gruppe schon beide virtuellen Läufe absolviert): Der Ansporn hatte für uns bei beiden Challenges stets zwei Komponenten: Zum einen das Wegkommen von den Computerbildschirmen, was wirklich angenehm war, denn wir hatten ja an die 5 Monate nur zu Hause gesessen. Im Rahmen der Challenge haben wir uns dann zu zweit getroffen und gemeinsam eine Strecke von beispielsweise 20 Kilometern zurückgelegt, was im Vergleich zu dem ständigen sitzen vor den PCs recht angenehm war. Zum anderen hat uns auch stets die soziale Komponente angespornt, denn gleichzeitig läuft ja auch weiterhin die Spenden-Aktion auf Betterplace.

Wladimir: Es war einfach auch für die Eltern, die Schüler*innen und die Lehrkräfte eine Möglichkeit zu testen, wie zielstrebig sie sind und wie gut sie in einem Team zusammenarbeiten, denn ohne Teamspirit funktioniert so eine Challenge nicht. Ein gemeinsamer Teamgeist ist ein essentieller Bestandteil eines solchen virtuellen Gruppen-Laufs.


Wie viele Kilometer werden täglich im Durchschnitt zurückgelegt? 

Georg: Der Tagesdurchschnitt liegt ungefähr bei 8 Kilometern. Es gab aber auch öfter Tage, wo einzelne Teams an die 35 Kilometer pro Person gelaufen sind

Wladimir: Blasen und Muskelkater waren keine Ausreden. Alle haben aktiv mitgemacht, weil es allen Teilnehmenden auch wirklich einfach Spaß gemacht hat.


Gab es besonders herausfordernde Momente und Strecken oder lustige Begegnungen auf den täglichen Lauf-Touren?

Georg: An einem Tag sind Giorgio und ich vom Zentrum Münchens Richtung Allianz Arena spaziert. Das ist eine Strecke von ungefähr 30 Kilometern, die man üblicherweise nicht laufen würde. Wir haben wirklich ganz andere Ecken von München entdeckt und kennengelernt.  

Dr Manning-Benson: Es gab eine Menge kleiner Mini-Abenteuer. Bei der ersten E5 Challenge im Februar haben die Mitglieder einer Gruppe beispielsweise zusammen an einem Tag insgesamt rund 120 Kilometer erlaufen und hatten eine Ukulele dabei. Sie waren acht Stunden unterwegs und haben immer wieder kleine Pausen eingelegt, in denen es Getränke und Songs auf der Ukulele gab.

 

Wie gestaltet sich das bisherige Feedback von Eltern, Lehrkräften und Mitschüler*innen zu eurer virtuellen Lauf-Challenge?

Felix: Ich hatte mich vor allem am Anfang darum gekümmert, dass wir genug Schüler*innen-Teams finden. Inzwischen schreiben mir meine Mitschüler*innen fast täglich, wieviel Spaß ihnen die Challenge macht, und dass es toll ist, dass sie in Gruppen sind, die ihnen die Chance geben, mit Leuten zusammenzuarbeiten, mit denen sie vorher vielleicht weniger zu tun hatten. Aber auch die ganzen Dankes-Mails der Eltern und die vielen Spenden, die inzwischen zusammengekommen sind, zeigen, dass alle einfach nur begeistert von dieser Challenge sind.

Georg: Auch das Feedback auf unserem E5 Instagram Channel war großartig. Wir haben sehr viele Likes und Direktnachrichten bekommen, vor allem auch von Lehrer*innen, denen die Challenge auch sehr viel Spaß bereitet. Wir haben uns in diesen Nachrichten gegenseitig spaßig angestachelt und motiviert, was auch sehr dazu beigetragen hat, ein fast freundschaftliches Verhältnis zu manchen Lehrkräften aufzubauen.

Dr Manning-Benson: Auch der Phorms Campus Berlin Mitte ist sehr begeistert von unserer Challenge und es gibt dort bereits Überlegungen, einen ebensolchen Lauf von Berlin zu uns nach München zu organisieren. Wir könnten die Teilnehmer*innen dabei natürlich mit unseren bisherigen Erfahrungen unterstützen. Die Josef-Schwarz-Schule zeigt sich ebenfalls bereits interessiert an der Challenge.

 

Ihr sammelt zeitgleich Spenden für das Projekt „Lichtblick Hasenbergl“. Wie kam es dazu?

Wladimir: Das Hasenbergl-Viertel ist ein sehr armes Viertel in München und viele Kinder wachsen dort in Armut auf. Das Projekt „Lichtblick Hasenbergl“ hilft diesen Kindern und Jugendlichen in allen Belangen. Unsere Schule unterstützt dieses Projekt schon seit mehreren Jahren durch Benefizläufe oder andere Aktionen. Es gibt hier also schon lange eine besondere Verbindung.

 

Und welche virtuelle Strecke plant ihr für den nächsten Lauf? 

Wladimir: Vielleicht wird es demnächst eine noch längere Challenge geben, eventuell ja sogar eine um die ganze Welt. Wir haben auf jeden Fall alle noch Lust und werden in den nächsten Wochen entscheiden, ob und wie es weitergeht.


*Der „Duke of Edinburgh’s International Award“ (DofE) ist die weltweit führende Auszeichnung für jugendlichen Einsatz mit dem Motto: "Es steckt mehr in dir, als du denkst". Diese Auszeichnung verfolgt das Ziel, junge Menschen in ihrer persönlichen Entwicklung zu fördern und ermutigt sie, ihr eigenes Programm mit Aktivitäten zu entwerfen, sich persönliche Ziele zu setzen und sich selbst anzutreiben, diese Ziele zu erreichen. Das Phorms Gymnasium München startete zum ersten Mal im Schuljahr 2020/21 das DofE-Award-Programm und 25 Phorms-Schüler*innen der 10. Jahrgangsstufe machen sich auf den Weg zum Silber-Award.